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Shopify vs. WooCommerce: Welches System lohnt sich 2024 für deutsche Small Businesses?

Praxisvergleich aus meiner Perspektive: Kosten, DSGVO/Datenschutz und Pflegeaufwand – inkl. Entscheidungs-Checkliste und typischen Szenarien.
Shopify vs. WooCommerce: Welches System lohnt sich 2024 für deutsche Small Businesses?

Einleitung

Wenn du 2024 (oder heute) als deutsches Small Business einen Shop starten oder migrieren willst, landest du fast zwangsläufig bei zwei Kandidaten: Shopify und WooCommerce (WordPress).

Ich bin Manuel Langenstein (27), seit 6 Jahren in der Webentwicklung, Bachelor in E‑Commerce, bald Master in Medieninformatik. Ich arbeite mit WordPress/WooCommerce, Shopify sowie Vue/Nuxt, React/Next und Django. Genau deshalb habe ich eine ziemlich nüchterne Sicht:

Es gibt kein „bestes“ System – aber es gibt für dein Setup eine eindeutig bessere Wahl.

In diesem Beitrag vergleiche ich Shopify vs. WooCommerce speziell für deutsche Small Businesses in drei Punkten, die in der Praxis die Entscheidung wirklich tragen:

  • Kosten (nicht nur „Planpreis“, sondern Total Cost of Ownership)
  • DSGVO/Datenschutz (realistische Risiken & saubere Umsetzung)
  • Pflegeaufwand (Wartung, Updates, Stabilität, Team-Workflow)

Am Ende bekommst du eine klare Entscheidungshilfe und typische Szenarien.


Kurzfazit (für Eilige)

  • Shopify lohnt sich, wenn du schnell starten willst, wenig Technik im Team hast, „einfach verkaufen“ im Fokus steht und du planbare monatliche Kosten bevorzugst.
  • WooCommerce lohnt sich, wenn du maximale Kontrolle brauchst, spezielle Anforderungen (B2B, Logik, Schnittstellen, Content/SEO-Strukturen) hast und du bereit bist, Wartung/Hosting/Entwicklung professionell zu betreiben.
  • DSGVO ist in beiden Fällen machbar, aber: Shopify bedeutet oft mehr Abhängigkeit von Drittanbietern (Apps/Tracking/US-Bezug), WooCommerce bedeutet mehr Eigenverantwortung (Hosting/Sicherheit/Updates).

Wenn du nur eine Entscheidung aus diesem Artikel mitnimmst:

Entscheide nicht nach „Planpreis“, sondern nach Pflegeaufwand + Integrationen + Wachstumsplan.


1. Shopify und WooCommerce: Was du wirklich kaufst

Shopify

Shopify ist eine gehostete All‑in‑One‑Plattform:

  • Hosting, Shop-Backend, Checkout, Basis-Security, Updates: Shopify betreibt das
  • Du konfigurierst, passt Theme/Design an, installierst Apps, integrierst Tools

Du kaufst Komfort und Geschwindigkeit – mit wiederkehrenden Kosten und Plattform-Regeln.

WooCommerce

WooCommerce ist ein Shop-System als Plugin auf WordPress, meist selbst gehostet:

  • Hosting/Server, Updates, Sicherheit, Backups: du (oder dein Dienstleister) betreibt das
  • Du hast maximale Freiheit, aber auch mehr Verantwortung

Du kaufst Kontrolle und Flexibilität – mit Betrieb/Technik als Daueraufgabe.


2. Kostenvergleich: Was kostet Shopify vs. WooCommerce wirklich?

Ich mache Kosten nicht an einer einzigen Zahl fest, weil sie in der Realität von Shopgröße, Zahlungsarten, Apps/Plugins und Support-Level abhängen. Stattdessen zeige ich dir die Kostenblöcke, die du sauber einplanen musst.

2.1 Kostenblöcke im Überblick

Shopify – typische Kostenblöcke

  • Monatliche Plattformgebühr (Plan)
  • Zahlungsgebühren (Payment Provider)
  • ggf. zusätzliche Transaktionsgebühren (je nach Zahlungssetup)
  • Apps (Abo-basiert)
  • Theme (einmalig oder Abo) + Anpassungen
  • Dienstleisterkosten (Setup, Design, Customization, Tracking/Consent)

WooCommerce – typische Kostenblöcke

  • Hosting (monatlich)
  • Domain/E‑Mail/SSL (meist übers Hosting)
  • Premium-Theme oder individuelles Theme
  • Plugins (Abo/Updategebühren) für z. B. Rechnungen, Versand, Multilingual, B2B
  • Zahlungsanbietergebühren (Payment Provider)
  • Dienstleisterkosten (Setup, Performance, Security, Updates, Bugfixes)

2.2 Die ehrliche Wahrheit: TCO statt „Planpreis“

Viele vergleichen so:

  • Shopify: „X € pro Monat“
  • WooCommerce: „Plugin ist kostenlos“

Beides ist verkürzt.

Shopify ist häufig im Einstieg transparenter, weil der Plan sichtbar ist. WooCommerce wirkt günstig, bis man Wartung, Plugins, Hosting und Entwicklungszeit realistisch einpreist.

2.3 Praxis-Szenarien (orientierend, keine Preisgarantie)

Preise und Gebühren ändern sich regelmäßig. Nutze diese Szenarien als Denkmodell und überprüfe die aktuellen Konditionen (Planpreise, Payment Fees, App-Kosten) vor der finalen Entscheidung.

Szenario A: Kleiner Shop (Startphase)

  • wenige Produkte
  • wenige Bestellungen pro Woche
  • Standard-Versand, Standard-Zahlarten
  • Fokus: schnell online, wenig Technik

Tendenz:

  • Shopify ist oft wirtschaftlicher, weil du mit wenig Setup stabil verkaufst.
  • WooCommerce lohnt sich, wenn du WordPress ohnehin nutzt (z. B. Content-lastige Website) und die Shop-Funktionen einfach bleiben.

Szenario B: Wachstumsphase (Marketing, SEO, Automationen)

  • Content/SEO wird wichtiger
  • Tracking/Consent sauber aufsetzen
  • Newsletter/CRM, Produktfeeds, Retouren, Reviews

Tendenz:

  • Shopify kann schnell durch App-Abos teurer werden, bleibt aber operativ bequem.
  • WooCommerce kann günstiger sein, wenn du vieles „inhouse“ abbildest – wird aber wartungsintensiver.

Szenario C: Spezielle Anforderungen (B2B, komplexe Logik, Integrationen)

  • Staffelpreise, kundenspezifische Preise
  • Rollen/Permissions, Freigaben
  • ERP/PIM/CRM tief integriert

Tendenz:

  • WooCommerce gewinnt oft bei Flexibilität.
  • Shopify funktioniert auch, aber du brauchst häufiger Custom Apps/Workarounds – das kann teuer werden.

2.4 Kosten-Checkliste (damit du nichts vergisst)

Beantworte diese Fragen – je mehr „Ja“, desto eher entstehen Zusatzkosten:

  • Brauchst du B2B (kundenspezifische Preise/Netto, Rollen, Freigabe)?
  • Mehrsprachigkeit/Mehrwährung?
  • Rechnungen (GoBD‑kompatibel), Lieferscheine, automatisierte E‑Mails?
  • Versandregeln (Zonen, Sperrgut, Teillieferungen)?
  • Produktdaten-Feeds (Google, Meta), Marktplätze?
  • Schnittstellen zu ERP/PIM/DATEV/CRM?
  • Performance-SEO (Core Web Vitals) als KPI?

3. DSGVO/Datenschutz: Was ist in Deutschland entscheidend?

Wichtig vorab: Ich bin kein Anwalt. Ich kann dir aber sehr praxisnah sagen, wo die typischen DSGVO-Fallen liegen und wie du sie technisch sauber reduzierst.

3.1 Grundprinzip: DSGVO ist Prozess, kein „Plugin“

Egal ob Shopify oder WooCommerce: DSGVO wird in der Praxis meistens an diesen Stellen „verloren“:

  • Tracking ohne echte Einwilligung (Consent)
  • Drittanbieter-Tools ohne AV-Verträge/Prüfung
  • Apps/Plugins, die Daten in Drittländer übertragen
  • fehlende oder falsche Cookie-Kategorisierung
  • unvollständige Informationspflichten (Datenschutzerklärung)

3.2 Shopify und DSGVO

Vorteile

  • Plattform-Betrieb, Sicherheit und Basis-Updates sind professionell organisiert.
  • Viele Standardfunktionen (Checkout, Kundendaten, Bestellungen) sind konsistent.

Herausforderungen

  • Shopify ist ein internationales System: Je nach Setup entstehen schnell Drittland-Themen (z. B. durch Apps, Tracking, CDN, Support-Prozesse).
  • Viele Shopify-Setups werden mit zahlreichen Apps erweitert – jede App ist ein eigener Datenschutz-„Risikobaustein“.

Praxis-Tipps für Shopify (technisch)

  • Reduziere Apps: Installiere nur, was du wirklich brauchst.
  • Wähle Tools mit EU‑Fokus (wenn möglich) und dokumentiere Anbieter.
  • Consent sauber umsetzen: keine Marketing-/Analytics-Tags vor Opt‑in.
  • Prüfe, ob du serverseitige Integrationen (z. B. über Webhooks) nutzen kannst, statt jeden Marketing-Funnel per App zu lösen.

3.3 WooCommerce und DSGVO

Vorteile

  • Du kannst Hosting und Infrastruktur bewusst wählen (EU/DE, klare Verträge).
  • Du kontrollierst, welche Plugins/Services tatsächlich Daten verarbeiten.

Herausforderungen

  • Du bist verantwortlich für Updates/Security. Ein unsauber gewarteter Shop ist nicht nur technisch riskant, sondern indirekt auch datenschutzrelevant.
  • WordPress/WooCommerce-Setups werden oft „überplugged“ – und jedes Plugin kann Tracking, externe Requests oder Datenflüsse mitbringen.

Praxis-Tipps für WooCommerce (technisch)

  • Hosting in der EU/Deutschland, saubere AV‑Verträge.
  • Minimalistische Plugin-Landschaft, regelmäßige Updates, Monitoring, Backups.
  • Consent + Script-Control: Tags erst nach Einwilligung.
  • Saubere Rollen/Administrations-Zugänge (2FA, Least Privilege).

3.4 Welche Plattform ist „DSGVO-konformer“?

So formuliere ich es im Projektalltag:

  • Shopify ist oft „operativ sauberer“, weil der Betrieb professionell ist, aber du musst Drittanbieter/Apps/Tracking disziplinierter managen.
  • WooCommerce ist oft „kontrollierbarer“ (Hosting/Stack), aber nur dann, wenn Wartung und Security ernst genommen werden.

Wenn dein Team wenig Kapazität hat, Datenschutz technisch sauber umzusetzen, ist Shopify häufig der weniger fehleranfällige Weg – vorausgesetzt, du hältst dein App-/Tracking-Setup schlank.


4. Pflegeaufwand: Was kostet dich das System an Zeit und Nerven?

4.1 Shopify-Pflegeaufwand

Typisch:

  • Weniger „Betrieb“ (Updates/Server) im Alltag
  • Mehr „Konfiguration“ (Apps, Theme, kleine Anpassungen)
  • Bei Sonderwünschen: Customization kann in Shopify-Logik (Theme/Apps) Grenzen haben

Shopify ist für viele Small Businesses deshalb so attraktiv, weil du mit wenig Technik-Know-how stabil arbeiten kannst.

4.2 WooCommerce-Pflegeaufwand

Typisch:

  • Regelmäßige Updates (WordPress, WooCommerce, Plugins, Theme)
  • Plugin-Konflikte oder Breaking Changes sind realistisch
  • Performance-Optimierung ist oft ein fortlaufendes Thema
  • Security, Backups, Monitoring sind Pflicht

Das ist nicht „schlimm“ – es ist nur eine andere Realität. Wenn du WooCommerce professionell betreibst, brauchst du einen klaren Wartungsprozess.

4.3 Team-Workflow: Wer arbeitet im System?

  • Wenn dein Team stark redaktionell/operativ arbeitet (Produkte, Bestellungen, Content) und wenig Entwicklung will: Shopify.
  • Wenn du ein Dev-Setup hast (Agentur/Inhouse) und dein Shop Teil eines größeren Web-Ökosystems ist: WooCommerce kann besser passen.

5. Vergleichstabelle (praxisnah)

KriteriumShopifyWooCommerce
Einstiegsgeschwindigkeitsehr hochmittel
Planbare Fixkostenhoch (Abo)mittel (Hosting + Plugins + Wartung)
Flexibilität/Custom Logikmittel bis hoch (mit Aufwand)sehr hoch
Betrieb/Updatesniedrig (Plattform)höher (du/Agentur)
App/Plugin-Ökosystemsehr groß (App-Abos)sehr groß (Plugin-Mix)
DSGVO-RisikoquellenApps/Tracking/DrittländerPlugins/Hosting/Updates
Content/SEO-Ökosystemgutsehr gut (WordPress-Stärken)
Skalierung (Team/Prozesse)gut, sehr standardisiertsehr gut, aber komplexer Betrieb

6. Entscheidungshilfe: Welche Wahl passt zu dir?

Ich nutze gern diese einfache Heuristik. Kreuze an, was eher auf dich zutrifft.

Wähle eher Shopify, wenn …

  • du schnell live gehen willst und „Betrieb“ vermeiden möchtest
  • dein Team keine regelmäßige Wartung/Updates organisieren will
  • du Standardprozesse nutzt (Produkte, Versand, Zahlarten)
  • du mit monatlichen App-Kosten leben kannst, wenn sie dir Zeit sparen
  • du ein robustes System willst, das ohne viel Dev stabil läuft

Wähle eher WooCommerce, wenn …

  • du maximale Kontrolle über Hosting, Stack und Erweiterungen willst
  • du WordPress sowieso als Content-Plattform nutzt und der Shop sauber integriert sein soll
  • du spezielle Anforderungen hast (B2B, komplexe Preislogik, Integrationen)
  • du bereit bist, Wartung als festen Prozess (oder Service) einzuplanen
  • du langfristig Features entwickeln willst, statt nur zu konfigurieren

Warnsignal (für beide Systeme)

Wenn du jetzt schon weißt, dass du in 6–12 Monaten ein Kundenportal, Login-Bereiche, individuelle Prozesse oder tiefe Integrationen brauchst, dann ist die eigentliche Frage oft nicht Shopify vs. WooCommerce, sondern:

Brauchst du eine Webapp-Architektur (z. B. Headless/Composable) – und der Shop ist nur ein Baustein?


7. Typische Setups, die ich empfehle

Setup 1: Shopify „clean“ (Small Business Standard)

  • Shopify + möglichst wenige Apps
  • saubere Consent-Lösung
  • Tracking diszipliniert, DSGVO-Dokumentation ordentlich

Gut für: schnelle Umsetzung, stabiler Betrieb.

Setup 2: WooCommerce „professionell betrieben“

  • Gutes Hosting, Staging, Backups
  • definierter Update-Prozess (monatlich/2‑wöchentlich)
  • Plugins minimal und bewusst

Gut für: maximale Kontrolle, Content/SEO-Stärke.

Setup 3: Composable/Headless (wenn es größer wird)

  • Shopify oder WooCommerce als Commerce-Backend
  • Frontend z. B. mit Nuxt/Next
  • Content über ein (Headless) CMS

Gut für: Performance, UX, Integrationen – aber höherer Initialaufwand.


FAQ

„Ist WooCommerce günstiger als Shopify?“

Nicht automatisch. WooCommerce wirkt günstig, wenn man nur Hosting betrachtet. In der Realität entscheiden Wartung, Plugins und Entwicklungszeit. Shopify kann mit Apps ebenfalls teuer werden. Vergleiche immer die Gesamtkosten (TCO).

„Ist Shopify in Deutschland DSGVO-konform?“

Das hängt stark von deinem Setup ab (Apps, Tracking, Consent, Datenflüsse). Shopify kann sauber betrieben werden – du musst aber bewusst mit Drittanbietern umgehen. Lass deine konkrete Konfiguration im Zweifel rechtlich prüfen.

„Welche Lösung ist weniger Pflege?“

In der Regel Shopify, weil Betrieb/Updates bei Shopify liegen. Bei WooCommerce brauchst du einen Wartungsprozess (oder einen Servicevertrag), sonst wird es früher oder später instabil.


Fazit

Für die meisten deutschen Small Businesses ist die Frage ganz praktisch:

  • Willst du schnell, planbar und mit wenig Tech-Aufwand verkaufen? → Shopify.
  • Willst du maximale Freiheit, starke Content-Integration und Speziallogik – und kannst Betrieb/Wartung professionell abbilden? → WooCommerce.

Wenn du willst, kann ich dir anhand von 8–10 Fragen (Produkt, Prozesse, Tools, Datenschutz, Wachstum) sehr schnell sagen, welche Richtung bei dir wirtschaftlich sinnvoller ist – inklusive grober TCO‑Schätzung und sauberem DSGVO‑Setup auf technischer Ebene.